Fallmanagement im Krankenhaus

Die Implementierung von Fallmanagement in den Versorgungsablauf stellt dabei eine Möglichkeit dar, um den aktuellen und künftig weiter zunehmenden Herausforderungen adäquat begegnen zu können. Da jedoch kein einheitliches Konzept und Verständnis von Fallmanagement existiert, scheint es im Vorfeld der Einführung notwendig, den klinikspezifischen Bedarf festzustellen, um im Anschluss Fallmanagement effektiv und effizient in den Versorgungsalltag integrieren zu können.

Im Rahmen einer Master-Thesis bearbeiteten zwei Studenten des Studienganges „Management im Sozial- und Gesundheitswesen" der Hochschule Neubrandenburg diese Thematik und führten in einem neunmonatigen Kooperationsprojekt mit dem Klinikum Konstanz, in dem das Vorhaben Fallmanagement bereits in Planung war, eine umfangreiche, hypothesengeleitete Bedarfsanalyse in der Klinik für Visceral-, Kinder- und Gefäßchirurgie durch. Ziel dieser Untersuchung war es festzustellen, in welchen Bereichen der Patientenversorgung der Einsatz von Fallmanagement gewinnbringend ist. Darüber hinaus sollte der Anteil potentieller „Fallmanagementpatienten" identifiziert werden.

Um zunächst ein möglichst umfassendes Bild über die Ist-Situation der Klinik zu erhalten, wurden zahlreiche Datenerhebungsinstrumente entwickelt und angewendet. Neben einer standardisierten und anonymisierten schriftlichen Befragung von einweisenden und nachsorgenden Einrichtungen wurden ebenfalls die ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter mithilfe eines Fragebogens befragt, um sowohl aus externer als auch aus interner Sicht Schwachstellen und Schnittstellenprobleme im Rahmen der klinikinternen Kernprozesse zu identifizieren. Des Weiteren wurden zwei Formulare - ebenfalls zur Analyse der klinikinternen Kernprozesse - entwickelt, die vom pflegerischen Klinikpersonal über einen Zeitraum von vier Wochen bei jeder Patientenaufnahme bzw. -entlassung im Rahmen einer Selbstaufschreibung ausgefüllt wurden. Im Zusammenhang mit der Entlassung von Patienten sollten mittels einer Dokumentenanalyse Aussagen zur Wirtschaftlichkeit getroffen werden. Für die Identifizierung potentieller „Fallmanagementpatienten" wurde ein Initiales Risikoscreeningassessmentinstrument entwickelt und durch die Pflegekräfte im Rahmen der pflegerischen Patientenaufnahme über einen Zeitraum von vier Wochen angewendet.

Im Rahmen der Prozessanalyse wurde ein erheblicher Veränderungsbedarf in den Bereichen der Patientenaufnahme, Patientenentlassung sowie in der internen und externen Kommunikation und Kooperation ermittelt.

Darüber hinaus konnten mithilfe der Anwendung des Initialen Risikoscreeningassessmentinstrumentes potentielle „Fallmanagementpatienten" identifiziert werden.

Bezüglich der aktuellen Situation im Klinikum Konstanz bezieht sich der Veränderungsbedarf zunächst primär auf die Reorganisation von bestimmten Kernprozessen, welche unzureichend standardisiert, organisiert und strukturiert sind. Aufgrund der Komplexität des Optimierungsbedarfs konnte dem Klinikum Konstanz aufgezeigt werden, dass eine sofortige und isolierte Einführung von Fallmanagement unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht zielführend und nachhaltig wäre. Auf Grundlage der herausgestellten Ergebnisse entschloss sich das Klinikum, zuerst die adäquate und standardisierte Versorgung von „Normalpatienten" durch die Reorganisation der Kernprozesse sicherzustellen, um im Anschluss hochkomplexen Patientensituationen mittels der Implementierung von Fallmanagement entsprechend begegnen zu können.

Mithilfe der Prozessanalyse konnte demnach festgestellt werden, dass eine nachhaltige Einführung von Fallmanagement in ein Krankenhaus nicht ohne Weiteres möglich ist. Einerseits benötigt Fallmanagement gewisse strukturelle Grundvoraussetzungen, um effektiv und effizient wirken zu können, und andererseits sollten die klinikspezifischen Gegebenheiten Beachtung finden. Die ausschließliche Übernahme eines bereits etablierten Konzeptes eines anderen Krankenhauses, ohne zuvor die entsprechenden Rahmenbedingungen im eigenen Hause zu schaffen sowie den eigenen Bedarf an Fallmanagement ermittelt zu haben, wird nicht zwangsläufig immer zu dem entsprechenden Ergebnis führen.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass Fallmanagement allein kein Allheilmittel für bestehende Defizite darstellt, sondern nur im Zusammenspiel mit der Reorganisation von Kernprozessen sowie der Abkehr von einer berufsständischen Denkweise zu einer optimierten, prozess- und patientenorientierten Leistungserbringung führen kann. Fallmanagement selbst ist vor allem als Möglichkeit zu verstehen, dem erhöhten Aufkommen von Patienten mit komplexen Versorgungssituationen durch eine individuelle, sektorenübergreifende und bedarfsgerechte Betreuung zu begegnen.

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