Labor & Diagnostik

Diagnostica-Industrie: Wirtschaftlicher Optimismus trotz gesundheitspolitischer Hemmnisse

29.03.2012 -

Die Diagnostica-Industrie startet optimistisch in das neue Jahr: steigende Umsätze, höhere Investitionen und mehr Jobs. Sorgen bereiten gesetzgeberische und regulatorische Eingriffe, insbesondere langwierige Aufnahmeverfahren zur Erstattung von Laborinnovationen.

Der deutsche Diagnostica-Markt ist im vergangenen Jahr um rund 2,1% auf 2,188 Mrd. € gewachsen. Nach Einschätzung des Verbandes der Diagnostica-Industrie wird dieser positive Trend auch in 2012 anhalten. Mehr als drei Viertel der Hersteller rechneten in diesem Jahr mit steigenden Einnahmen, 37% gingen sogar von einer stark wachsenden Umsatzentwicklung (>5%) aus. Dies ergab die jährliche Branchen-Umfrage, die der Verband Ende letzten Jahres durchführte und an der sich 46 der 90 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Labordiagnostik und Schnelltests beteiligt haben.

Positive Personal- und Investitionsplanung

Die positiven Erwartungen spiegeln sich auch in der Personal- und Investitionsplanung. Mehr als die Hälfte der Firmen wollen ihr Personal in 2012 aufstocken, ein Drittel will den Personalstand halten. Diese Zahlen zeigen, dass über die gesamte Branche hinweg von einem Ausbau in der Diagnostica-Industrie ausgegangen werden kann und gegenüber dem Vorjahr sogar mit einer leichten Dynamik im Beschäftigungszuwachs zu rechnen ist.

Die Rekrutierung konzentriert sich dabei insbesondere auf Fachkräfte im Bereich der Forschung und Entwicklung. Hierauf abgestimmt ist auch die Investitionsplanung, bei der knapp 40% der Unternehmen einen Ausbau ankündigen. Diese positive Einschätzung gilt noch stärker für Investitionen in Forschung. Hier wollen 56% der Firmen mehr investieren als in 2011 und immerhin 36% ihr bisheriges Niveau halten.

In diesem starken Engagement für Forschung und Entwicklung dokumentiert sich zweierlei, wie der Vorstandsvorsitzende des VDGH, Matthias Borst, bei der Vorstellung der wirtschaftlichen Erwartungen der Branche in Berlin erläutert: „Zum einen ist es die unverändert hohe Bedeutung, die innovative Diagnostica für den Geschäftserfolg eines Unternehmens haben, zum anderen ist es auch ein Vertrauensbonus für den Standort Deutschland."
Dessen Stärken machen die Unternehmen an folgenden fünf Punkten fest:

  • die hohe Qualifikation der Mitarbeiter,
  • die im Vergleich zu manch anderen europäischen Ländern gute Zahlungsmoral,
  • das hohe Versorgungsniveau,
  • die schnelle Marktzulassung (CE-Kennzeichnung)
  • und nicht zuletzt der hohe Standard der klinischen Forschung, der die Markteinführung neuer Produkte auf ausländischen Märkten erleichtert.

Legislative Rahmenbedingungen verbessern

Den Vorteilen des Standortes Deutschland stehen allerdings auch Schwachstellen gegenüber. Als größte Hemmnisse empfinden die Mitgliedsfirmen den Preisdruck am Markt, die Konsolidierung und Konzentration auf Kundenseite, das niedrige Erstattungsniveau in den Gebührenordnungen, die Budgetierung der Leistungserbringer sowie die langwierigen Aufnahmeverfahren für Innovationen.

Was die Unternehmen ausbremse, seien die oftmals langwierigen Aufnahmeverfahren zur Erstattung von Laborinnovationen in der gesetzlichen Krankenversicherung, so Borst. „Diese Marktzugangshürde ist gerade für die in unserer Branche dominierenden kleinen und mittelgroßen Firmen oft existenzgefährdend, da sie während der Wartezeit ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung nicht refinanzieren können."

Grund zu vorsichtiger Hoffnung gibt der Diagnostica-Industrie die „Innovation auf Probe", welche vom VDGH vor zwei Jahren in die gesundheitspolitische Diskussion eingebracht worden war und jetzt im Versorgungsstrukturgesetz aufgegriffen wurde. Entscheidend aber ist nun die Ausgestaltung dieser Regelung. Vor allem bei der Finanzierung dieser Versuchsphase für neue Methoden wie auch bei einer Entscheidung über die Dauer der Erprobung sieht Borst entsprechenden Diskussionsbedarf. Der Verband fordere daher „verlässliche Rahmenbedingungen", damit die Versicherten schneller von neuen diagnostischen Möglichkeiten profitieren können.

Personalisierte Medizin - das Thema der Zukunft

Die Befragung der Mitglieder schloss mit einem Blick in die Zukunft der Personalisierten Medizin, im Sinne einer Stratifizierung in der Arzneimitteltherapie durch den Einsatz eines vorgeschalteten diagnostischen Tests. Während heute 70% der Unternehmen für sich keine oder nur eine geringe Bedeutung des Themas sehen, glauben mehr als die Hälfte der Befragten perspektivisch an eine mittlere bzw. hohe Bedeutung in Bezug auf ihr eigenes Unternehmen.

 

Kontakt

Verband der Diagnostica-Industrie e.V. VDGH

Neustädt Kirchstr. 8
10117 Berlin
Deutschland

+49 30 200599 48

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